Bücher
Privat schätzt Gabriel Bornstein ein ruhiges Leben, vermeidet große Konflikte und passt besonders gut auf, sich nicht mit dem Gesetz anzulegen. Zum Glück sind die Figuren seiner Geschichten mutiger. Sie leben gefährlich und lieben das Risiko.
Das elfte Gebot
Waisenkind David Dubnow wächst in der Nachkriegszeit in einem israelischen Kinderdorf auf. Von seiner Mutter, einer Holocaustüberlebenden, hat er nur in Erinnerung, wie sie täglich im Radio das Programm „Suche nach Verwandten“ hörte. Obwohl er eine Menge Kinder um sich hat, Freunde hat David nicht. Im Alter von 14 Jahren entdeckt er in der Schulbibliothek die zehn Bände des jüdischen Autors Semjon Dubnow: ”Weltgeschichte des jüdischen Volkes”. David, der sonst gar keine Familie hat, glaubt fest daran, dass er und Semjon Dubnow Blutsverwandte sind. Um dies zu beweisen, reist der junge Mann 1972 nach Riga. Er hat keinen Plan, fragt sich nur, was Dubnow von 1933 bis zu seiner Ermordung am achten Dezember 1941 in Riga gemacht hat. Die Antwort liegt auf der Hand. Dubnow hat immer geschrieben, also schrieb er in Riga weiter. Aber was? Dubnows zehn Bände, „Geschichte des jüdischen Volkes“, war nicht vollständig. Der Band über die Vernichtung der Juden fehlte, und David Dubnow ist sich sicher, dass Semjon diesen Band vor seinem Tod versteckt hat. Also macht er sich auf die Suche nach dem Buch. Wenn es klappen würde, wäre David, mit oder ohne Blutsverwandtschaft, mit Semjon verbunden, und nicht mehr so einsam.
45 Minuten bis Ramallah
Typisch Rafik Abu-Raba. Er sitzt in einem Ruderboot, das langsam untergeht, und der Mann, der das 20-cm-Loch in den Boden des Bootes geschossen hat, steht mit einer Walther-Pistole am Ufer und zielt auf Rafiks Kopf. Da klingelt das Handy. Es ist Rafiks Mutter. Sein Bruder Jamal heiratet und Rafik soll zur Hochzeit nach Ost-Jerusalem kommen. Da ist es schon besser, in Hamburg zu bleiben und eine Kugel in den Kopf zu bekommen, findet Rafik. Statt seiner inneren Stimme zu folgen, kommt Rafik zur Hochzeit. Während der Feier stirbt sein Vater Mustafa. Die Mutter will, dass der Leichnam ihres Mannes in Ramallah beerdigt wird. So verstauen die beiden Brüder den toten Mustafa im Auto und machen sich auf den Weg. Das war keine gute Idee. Auf dem Weg wird das Auto geklaut – samt Leiche. Ab diesen Moment wird es richtig böse. Als Rafik und sein Bruder den Diebstahl bei der Polizei melden wollen, werden sie als Terroristen verhaftet. Nur mit Mühe können sie die israelischen Soldaten von ihrer Unschuld überzeugen. Es gibt aber auch gute Nachrichten. Das geklaute Auto befindet sich angeblich in Ramallah – und da wollen sie doch hin. In Ramallah angekommen, fallen Rafik und Jamal in die Hände der Palästinensischen Freiheitskämpfer. Diese halten die Brüder für Kollaborateure der Israelis und verurteilen sie zum Tode. Rafik hat es satt. Es macht gar keinen Unterschied, ob er sich in Hamburg, Jerusalem oder Ramallah befindet – oder auf einem anderen Planeten in einer anderen Galaxie. Egal, wo er gerade steckt, das Leben ist beschissen.